Prizren - die Kulturhauptstadt des Kosovo. 18. März 2004: 6 orthodoxe Kirchen an einem einzigen Tag zerstört, darunter das UNESCO-Denkmal Unsere Liebe Frau von Ljeviš (Bogorodica Ljeviška) (14. Jahrhundert). KFOR sah zu. Serben evakuiert. Prizren nach Jahrhunderten ohne Serben.
Prizren, einst eine multiethnische Stadt mit einer langen serbischen Geschichte, wurde beim Märzpogrom 2004 zu einem Symbol des Kulturgenozids.
Prizren vor dem März 2004
Geschichte:
- Eine der ältesten Städte auf dem Balkan
- Eine mittelalterliche serbische Hauptstadt (13.-14. Jahrhundert)
- Kaiser Dušan in Prizren gekrönt (1346)
- 39 orthodoxe Kirchen und Klöster bestanden jahrhundertelang
- 200 serbische Familien (etwa 600 Menschen)
- Lebten hauptsächlich in der Altstadt (dem Gebiet um Sahat Kula)
- Isoliert, abhängig vom Schutz durch KFOR
18. März 2004 - Prizrens "Schwarzer Donnerstag"
10:00 - Die Versammlung der Menge
Der zentrale Platz von Prizren:
- Eine Menge von 3.000-4.000 Albanern
- Mit Bussen aus den umliegenden Dörfern herangebracht
- Organisatoren mit Megafonen: "Es ist Zeit, Prizren zu säubern!"
- Listen serbischer Adressen und Kirchen wurden verteilt
11:00 - Der erste Angriff - Die Kirche des Heiligen Erlösers (14. Jahrhundert)
Lage: Die Altstadt, neben Sahat Kula
- Eine Gruppe von 500 Menschen griff die Kirche an
- Brachen die Türen auf, zerstörten die Ikonostase
- Setzten das Innere in Brand
- Fresken aus dem 14. Jahrhundert VON RAUCH BESCHÄDIGT
- War 300 Meter entfernt
- Griff NICHT ein
- Grund: "Wir hatten Angst vor einem Zusammenstoß mit der Menge"
12:30 - Unsere Liebe Frau von Ljeviš (Bogorodica Ljeviška) (UNESCO-Denkmal, 14. Jahrhundert)
Das wichtigste Denkmal Prizrens:
- Erbaut im Jahr 1307
- Auf der UNESCO-Welterbeliste (seit 2006, aber bereits anerkannt)
- Fresken von Weltwert
- Ikonen aus dem Mittelalter
- Eine Menge von 1.000 Menschen
- Brachen die Wände ein, stürzten den Glockenturm um
- Setzten das Innere in Brand
- Fresken aus dem 14. Jahrhundert - SCHWER BESCHÄDIGT
- Das Dach eingestürzt
13:00-18:00 - Systematische Zerstörung
Weitere 4 Kirchen verbrannt: 1. Die Kirche des Heiligen Nikolaus (16. Jahrhundert):
- Bis auf die Grundmauern niedergebrannt
- Glocken vor der Brandstiftung gestohlen
- Wände mit Dynamit zerstört
- Vollständig zerstört
- Die einstige Stiftung Kaiser Dušans
- Vollständig niedergebrannt
- Das Grab mittelalterlicher Herrscher - geschändet
- In Brand gesetzt
- Der Glockenturm umgestürzt
Gleichzeitig - Angriff auf serbische Häuser
Das serbische Viertel (um Sahat Kula):
- 67 Häuser verbrannt
- Serbische Läden geplündert und in Brand gesetzt
- Serben versammelten sich im Hof der Kirche des Heiligen Erlösers
- KFOR hält sie "in Schutzhaft" - faktisch Gefangene
19:00 - Evakuierung der Serben
KFOR (das deutsche Kontingent):
- Evakuierte 580 Serben aus Prizren
- Ein Konvoi aus 30 Panzerfahrzeugen
- Nach Gračanica gebracht (eine serbische Enklave bei Priština)
- Sie nahmen nur mit, was sie in den Händen tragen konnten
Materieller Schaden - Prizren
Kirchen und Klöster:
- 6 Kirchen vollständig zerstört oder schwer beschädigt
- 1 UNESCO-Denkmal (Unsere Liebe Frau von Ljeviš / Bogorodica Ljeviška) - schwer beschädigt
- 2 Klöster - zerstört
- 67 serbische Häuser - verbrannt
- 28 Läden - geplündert und verbrannt
- 580 Serben evakuiert
- Die serbische Gemeinschaft von Prizren - HÖRTE AUF ZU EXISTIEREN
- Nach über 800 Jahren serbischer Präsenz - NULL Serben
KFOR - Passivität und Kritik
Das deutsche KFOR-Kontingent (zuständig für Prizren):
- 500 Soldaten in der Stadt
- Hatten Informationen, dass Gewalt vorbereitet wurde
- Richteten KEINE zusätzlichen Patrouillen ein
- Verhinderten NICHT den Angriff auf die Kirchen
- Griffen erst für die Evakuierung der Serben ein
Human Rights Watch: "500 gut bewaffnete NATO-Soldaten KÖNNEN eine unbewaffnete Menge aufhalten, wenn sie WOLLEN. Das Problem war nicht die militärische Fähigkeit, sondern der politische Wille."
Wiederaufbau - teilweise
2005-2010:
- Unsere Liebe Frau von Ljeviš (Bogorodica Ljeviška) - wieder aufgebaut (mit Hilfe der UNESCO und der EU)
- Die Kirche des Heiligen Erlösers - teilweise wieder aufgebaut
- Die übrigen Kirchen - einige wieder aufgebaut, einige als Trümmer belassen
- Die Kirchen sind LEER - ohne Gläubige
- Werden nur für seltene touristische Besuche genutzt (unter KFOR-Begleitung)
- Die Fresken und Ikonen - ZUM TEIL UNWIEDERBRINGLICH ZERSTÖRT
Prizren heute (2025)
- Zahl der Serben: 0 (null)
- Serbische Kirchen: Wieder aufgebaut, aber leer
- Ethnische Säuberung: VOLLSTÄNDIG
- UNESCO: Unsere Liebe Frau von Ljeviš (Bogorodica Ljeviška) auf der Liste der "gefährdeten Denkmäler"
Gerechtigkeit - keine
Verhaftet: 23 Personen Verurteilt: 8 Personen Strafen: 2-6 Monate Gefängnis Schadensersatz: KEINER Die Organisatoren des Angriffs: NIEMALS IDENTIFIZIERT
Die Symbolik Prizrens
Prizren ist zu einem Symbol geworden für:
- Die Auslöschung der serbischen Geschichte aus dem Kosovo
- Das Versagen der UNESCO, Denkmäler zu schützen
- Das Versagen der NATO, Zivilisten zu schützen
- Erfolgreiche ethnische Säuberung - Prizren ohne Serben nach 800 Jahren
"In Prizren lebten jahrhundertelang Serben, Albaner und Türken zusammen. Der März 2004 beendete das. In 24 Stunden wurde Prizren zu einer monoethnischen Stadt. Das war das Ziel - und es wurde erreicht." - OSZE-Bericht, 2004.
Quellen
KFOR German Contingent - After Action Report
Human Rights Watch - 'Failure to Protect' (2004)
OSCE Mission - Daily Reports March 2004
Serbian Orthodox Church - Documentation
Council of Europe - Cultural Heritage Report
Svedočanstva evakuisanih Srba - Arhiva
Standort
Prizren - stari grad
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