Während der 78 Tage der NATO-Bombardierung Serbiens (24. März — 10. Juni 1999) wurden über 38.000 Kampfeinsätze durchgeführt und 23.000 Bomben und Raketen abgeworfen. Zwischen 1.200 und 2.500 Zivilisten wurden getötet, und der Sachschaden wurde auf über 100 Milliarden Dollar geschätzt.
Die NATO-Bombardierung der Bundesrepublik Jugoslawien dauerte 78 Tage — vom 24. März bis zum 10. Juni 1999. In diesem Zeitraum setzte das mächtigste Militärbündnis der Menschheitsgeschichte enorme Luftmacht gegen ein kleines Balkanland ein. Die Bilanz dieser 78 Tage ist entsetzlich und ernüchternd.
Die Zahlen, die sprechen
Während der Operation Allied Force setzte die NATO ein:
- 1.031 Kampfflugzeuge aus 13 Mitgliedstaaten
- 38.004 Kampfeinsätze, durchgeführt während der 78 Tage
- 10.484 Angriffseinsätze mit dem Abwurf von Munition
- 23.614 Bomben und Raketen, abgeworfen auf das Territorium Jugoslawiens
- 35.450 Streubomben (Streumunition) mit etwa 300.000 einzelnen Bomblets
- 329 Marschflugkörper vom Typ Tomahawk, abgefeuert von Schiffen und U-Booten
- Über 31.000 Geschosse mit abgereichertem Uran
Menschliche Opfer
Die genaue Zahl der Opfer der NATO-Bombardierung ist nach wie vor umstritten. Verschiedene Quellen nennen unterschiedliche Zahlen:
Zivile Opfer:
- Serbische Quellen: 2.000-2.500 getötete Zivilisten, darunter 89 Kinder
- Human Rights Watch: etwa 500 getötete Zivilisten bei dokumentierten Vorfällen
- Jugoslawische Behörden (offiziell): 1.200-2.000 getötete Zivilisten
- Über 6.000 Zivilisten verwundet
Militärische Verluste:
- Armee Jugoslawiens: etwa 1.000 Angehörige getötet
- Serbisches Innenministerium (MUP): etwa 500 Angehörige getötet
Insgesamt kamen nach den konservativsten Schätzungen mindestens 2.500 Menschen ums Leben — Zivilisten und Soldaten —, während serbische Quellen von einer deutlich höheren Zahl sprechen.
Materielle Zerstörungen
Die NATO zerstörte systematisch die militärische, zivile und industrielle Infrastruktur Serbiens. Die Bilanz der Zerstörungen umfasst:
Militärische Infrastruktur:
- 14 Militärflugplätze schwer beschädigt oder zerstört
- Mehr als 100 militärische Objekte (Kasernen, Depots, Kommandostellen)
- Luftabwehrsysteme — mehr als 70 % der Kapazität zerstört
Zivile Infrastruktur:
- 78 Brücken zerstört oder schwer beschädigt (einschließlich aller Brücken in Novi Sad)
- 29 Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen beschädigt
- 25.000 Wohngebäude beschädigt oder zerstört
- 69 Schulen und Fakultäten beschädigt
- 18 Kindergärten beschädigt
- Über 300 Kilometer Straßen beschädigt
- Eisenbahninfrastruktur an mehreren Orten schwer beschädigt
Industrieanlagen:
- Die Ölraffinerie in Pančevo — vollständig zerstört
- Der petrochemische Komplex in Pančevo — verwüstet
- Die Automobilfabrik Zastava in Kragujevac — zerstört
- Die Tabakfabrik in Niš — verwüstet
- Mehr als 120 Industrieanlagen beschädigt oder zerstört
Wirtschaftlicher Schaden
Der gesamte wirtschaftliche Schaden wurde je nach Quelle auf unterschiedliche Beträge geschätzt:
- Die Gruppe G17 Plus (serbische Ökonomen): etwa 29,6 Milliarden Dollar direkter Schaden
- Die jugoslawische Regierung: über 100 Milliarden Dollar (einschließlich indirekter Schäden und entgangener Produktion)
- Unabhängige Schätzungen: 30-60 Milliarden Dollar
Das BIP Jugoslawiens fiel 1999 im Vergleich zum Vorjahr um 40 %. Die Arbeitslosigkeit stieg auf über 30 %. Die Folgen für die Wirtschaft waren noch Jahre nach dem Krieg zu spüren.
Flüchtlinge und Vertriebene
Die Bombardierung löste Massenmigrationen aus:
- Über 800.000 albanische Flüchtlinge verließen das Kosovo (die meisten während der Bombardierung)
- Etwa 100.000 Serben aus Serbien wurden wegen der Bombardierung vorübergehend vertrieben
- Nach dem Krieg verließen etwa 250.000 Serben und andere Nicht-Albaner das Kosovo
NATO-Verluste
Die NATO räumte offiziell minimale Verluste ein:
- 2 abgeschossene Flugzeuge (F-117A und F-16C)
- 47 verlorene unbemannte Luftfahrzeuge
- Mehrere beschädigte Flugzeuge (die genaue Zahl wurde nicht veröffentlicht)
- 0 in Kampfeinsätzen getötete Soldaten
Serbische Quellen behaupten, die tatsächlichen NATO-Verluste seien deutlich höher gewesen, einschließlich weiterer abgeschossener Flugzeuge, doch diese Behauptungen sind nicht unabhängig bestätigt.
Der rechtliche Aspekt
Die NATO-Bombardierung Jugoslawiens erhielt nie ein Mandat des UN-Sicherheitsrats. Das macht sie nach Ansicht der meisten Rechtsexperten völkerrechtswidrig. Russland und China, als ständige Mitglieder des Sicherheitsrats, lehnten die Intervention klar ab.
UN-Generalsekretär Kofi Annan erklärte, die Intervention sei „illegitim, aber nicht illegal“ gewesen — eine Formulierung, die ein Versuch war, eine mittlere Lösung zu finden, die aber in Wirklichkeit bestätigte, dass die Bombardierung rechtswidrig war.
Das Erbe der Zahlen
Die Statistik der NATO-Bombardierung Serbiens liest sich wie die Bilanz einer Katastrophe: Tausende Tote, Zehntausende Verwundete, Hunderttausende Vertriebene, Milliarden Dollar Schaden. Hinter jeder Zahl verbirgt sich ein menschliches Schicksal — eine Familie ohne Dach, ein Kind ohne Eltern, eine Fabrik ohne Arbeiter, eine Brücke ohne Ufer.
Diese Zahlen sind nicht nur Statistik. Sie sind eine Anklage. Eine Anklage gegen jene, die beschlossen, ein kleines Land ohne die Zustimmung der Vereinten Nationen zu bombardieren, die verbotene Waffen gegen Zivilisten einsetzten, die Infrastruktur zerstörten, die das Volk zum Leben brauchte.
Achtundsiebzig Tage. Achtunddreißigtausend Einsätze. Dreiundzwanzigtausend Bomben. Und eine Wahrheit, die nicht vergessen werden darf: Das hätte niemals geschehen dürfen. Damit es nicht in Vergessenheit gerät.
Quellen
Human Rights Watch — Civilian Deaths in the NATO Air Campaign, February 2000
Amnesty International — NATO/Federal Republic of Yugoslavia: Collateral Damage, June 2000
Vojnoistorijski institut Srbije — Bilans NATO agresije 1999.
Grupa G17 Plus — Ekonomska šteta NATO bombardovanja
UNHCR — Kosovo crisis statistics
BBC News — Yugoslavia: Key facts and figures
Standort
Teritorija Srbije
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